Plausibilität


Plausibilität spielt sowohl im Alltag als auch in allen Wissenschaftskulturen eine gewichtige Rolle - ob implizit oder explizit. Auffällig ist jedoch, dass es keiner spezifisch geschulten Kompetenz oder der Vermittlung eigenständiger Fähigkeiten bedarf, um einen Sachverhalt als ›plausibel‹ zu beurteilen.

Gemeinsam mit dem Linguisten Paul Reszke habe ich unter dem Titel »Linguistisch-philosophische Untersuchungen zu Plausibilität« ein Modell des typischen Sprachgebrauchsmusters erarbeitet. Dieses Muster haben wir hypothetisch auf möglichst vielfältige Wissenschaftsbereiche übertragen und auf seine Anwendbarkeit zur allgemeinen Beschreibung wissenschaftlicher Umbruchsprozesse hin überprüft, angefangen bei historischen Beispielen bis zur Gegenwart und darin insbesondere dem wechselseitigen Verhältnis zwischen Laienwissen, Fachwissen und den dazwischen vermittelnden Medien.

Wir gehen davon aus, dass sich in den vielschichtigen und flexiblen Verwendungen von plausibel ein implizites Argumentations- und Denkmuster widerspiegelt, mit dem Wissen sowohl gefestigt als auch hinterfragt werden kann. Mit diesen Wissensdynamiken einhergehend wird entsprechend auch der Status wissenschaftlicher Tatsachen immer wieder neu zur Disposition gestellt: Was gilt unter welchen Bedingungen als plausibel oder nicht?

 

Wir konnten diesem Forschungsinteresse bereits in verschiedenen Kontexten nachgehen, so etwa mit Blick auf die Rolle von Visualisierungsformen als Plausibilisierungsstrategie von wissenschaftlichen Befunden.

Beiträge zum Forschungsprojekt Plausibilität

»Es gibt interessanterweise wenig Literatur zum Begriff der Plausibilität, obwohl er im Alltag eine wichtige Rolle spielt. Eine grundlegende Abhandlung zum Begriff und seiner Verwendung siehe Böhnert und Reszke.«

Renn, Ortwin (2017): Zeit der Verunsicherung. Reinbek: Rowohlt.


Artikel

mit Reszke, Paul (2015): Linguistisch-philosophische Untersuchungen zu Plausibilität: Über kommunikative Grundmuster bei der Entstehung von wissenschaftlichen Tatsachen. In: Engelschalt, Julia; Maibaum, Arne (Hrsg.): Auf der Suche nach den Tatsachen: Proceedings der 1. Tagung des Nachwuchsnetzwerks "INSIST", 22./23.10.2014, Berlin. SSOAR, S. 40-67, urn:nbn:de:0168-ssoar-455901


Vorträge

Zur Plausibilität wissenschaftlicher Tatsachen am Beispiel der Erforschung des Geistes von Tieren, Forschungskolloquium der Moritz-Schlick-Forschungsstelle unter der Leitung von Matthias Wunsch. Universität Rostock, 25.06.2019.


It was so beautiful it had to be true – Visualisierungsformen als Plausibilisierungsstrategie von wissenschaftlichen Tatsachen (gemeinsam mit Paul Reszke, Kassel), Internationale Tagung VisuHu 2017: Visualisierungsprozesse in den Humanities - Linguistische Perspektiven auf Prägungen, Praktiken, Positionen. Universität Zürich, 17.07.2017.


Plausibilität – linguistisch-philosophische Untersuchungen (gemeinsam mit Paul Reszke, Kassel), Tagung des Interdisciplinary Network for Studies Investigating Science and Technology (INSIST): Auf der Suche nach den Tatsachen –Interdisziplinäre Perspektiven auf die Materialität, Vielfalt und Flüchtigkeit wissenschaftlichen und technischen Wissens. Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), 23.10.2014.